In den 60er Jahren, zu einer Zeit, als Comics auch in Japan grösstenteils der seichten Unterhaltung von Kindern dienten und ernsthafte, erwachsene Werke rar waren, suchte Sanpei Shirato eine Veröffentlichungsplattform für seine manga-Serie Kamui.9 Die mit vielen Seitenerzählungen gespickte Geschichte ist im feudalen Japan angesiedelt und behandelt tiefschürfende soziale und politische Themen wie Klassenkampf oder Rassendiskriminierung. Die Zeit des Autors als Mitglied einer kommunistischen Gruppierung hatte stark auf Kamui abgefärbt.10

Im September 1964 gründete Katsuichi Nagai, der 1996 verstarb, mit der Unterstützung von Shirato das Magazin Garo. Kamui, als eine seiner ersten manga-Serien, fand "damals enorme Popularität unter [Links-] Intellektuellen und radikalisierten Studenten" , was dazu beitrug, die Verkaufszahlen nach oben zu treiben. "Der Titel des Magazins, Garo, stammt eigentlich nicht vom gleich klingenden japanischen Wort für "Kunstgallerie", sondern von einer von Shiratos Ninja-Charakteren".11


Kamui von Sanpei Shirato

Garo konnte sich bis heute, also über 30 Jahre lang, halten. Und dies obwohl Nagai die beitragenden Künstler aufgrund der geringen Verkaufszahlen, die nach dem Abschluss von Kamui verebbten, die meiste Zeit nicht bezahlen konnte.12

Der Grund für seine Beständigkeit liegt wahrscheinlich in der Einzigartigkeit des Magazins innerhalb des Landes, denn den mangaka wird unbedingte künstlerische Freiheit zugesprochen. Der Erfolgsdruck und die damit einhergehenden inhaltlichen und formellen Zwänge fallen weg. Die Auswahlkriterien für einen manga beschränken sich darauf, dass er "(1) interessant ist und (2) dass der Inhalt über der Form steht".13


Garo, Oktoberausgabe von 1989

Um es anders auszudrücken, gilt Garo als Plattform für junge Talente, die von der manga -Industrie nicht erkannt werden und später häufig zu grösserem Ansehen aufsteigen können. Es ist ein Experimentierfeld für Ausdruck, persönliche und intellektuelle Ergründung, Seitenhiebe auf das System und neue Genres14. "Anders als die von beinahe allen anderen, kommerzielleren manga-Magazinen, hatte Nagai von Anfang an im Sinn, die Entwicklung einzigartiger künstlerischer Stile und Erzähltechniken voranzutreiben"13 und das kreative Potenzial des Comics zur Entfaltung zu bringen.

Garo ist eine treibende kreative Kraft und liefert sowohl einen Beitrag zu Japans manga- und intellektuellen Kultur, als auch zur Illustration, der Kunst und dem Film. Seit 1994 erhält das Magazin mit Retrospektiven in der Japanischen Presse und einer Ausstellung der Werke früherer Garo-Autoren in Kawasaki steigende Anerkennung.15

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